Predigt
Brücke zum Versager
[Fischer] Liebe Konfis, liebe Eltern, die Konfi-Zeit geht zu Ende. Nach einem schönen gemeinsamen Jahr sitzen wir hier, am Vorabend der Konfirmation. Ganz viel liegt hinter uns. Aber noch viel mehr liegt vor euch. Ein ga…
Gottesdienste und Anlässe
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06.05.2023
· 18:00 Uhr
· Pauluskirche
Konfi-Abendmahlsgottesdienst
[Fischer] Liebe Konfis, liebe Eltern, die Konfi-Zeit geht zu Ende. Nach einem schönen gemeinsamen Jahr sitzen wir hier, am Vorabend der Konfirmation. Ganz viel liegt hinter uns. Aber noch viel mehr liegt vor euch. Ein ganzes Leben! Konfirmation markiert ja schon auch einen Übergang: Ihr seid keine Kinder mehr. Ihr seid unterwegs ins Erwachsen-werden, unterwegs in die selbständige Gestaltung eures Lebens. Ihr entwickelt Pläne, Träume, Wünsche. Was da wohl noch alles kommt? Stellt euch vor, wir kommen in 50 Jahren wieder her. "Goldene Konfirmation" heißt das dann. Was wir da alles zu erzählen haben werden...
[Fischer] Wir wünschen euch natürlich das Allerbeste für alles, was kommt. Morgen sprechen wir euch Gottes Segen dafür zu. Zu wissen, dass Gott dabei ist macht einen großen Unterschied auf dem Weg, der vor euch liegt. Das Vertrauen darauf, den Glauben an ihn, bekennt ihr morgen vor der Gemeinde. Möge es euch durchtragen durch alles, was kommt: durch Höhen und -- ja, eben auch durch Tiefen. Denn, so wenig ich euch die wünsche, ich kann euch fast garantieren, dass nicht immer alles einfach sein wird auf diesem Weg. Ihr wärt die Ersten, denen das vergönnt wäre.
[Fischer] Und genau deshalb möchten wir mit euch heute Abend einen kurzen Moment innehalten und uns die Geschichte eines Mannes anschauen, der uns als Beispiel dienen kann. Petrus heißt er. Er ist einer von denen, die mit Jesus unterwegs waren. Einer seiner engsten Freunde. Einer, der große Pläne hatte, gemeinsam mit seinem Jesus. Einer, der Jesus so liebte, dass er bereit war, ihn notfalls sogar mit seinem Leben zu verteidigen. Zumindest hat er das behauptet. Und dann kam alles ganz anders, als Jesus verhaftet wurde:
[Engele] Simon Petrus aber folgte Jesus nach und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Palast des Hohenpriesters. Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da kam der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, heraus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin's nicht. Es standen da aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt, und sie wärmten sich. Aber auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Spricht einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da leugnete Petrus abermals, und alsbald krähte der Hahn. (Johannes 18,15-18.26-27)
[Fischer] Die Geschichte endet damit, dass Petrus weinend den Ort verlässt. Er ist sich bewusst, dass er völlig versagt hat. Auf einen Schlag hat sich da ein Graben aufgetan zwischen Jesus und ihm -- wo sie doch vorher so dicke Freunde waren. Petrus hat Jesus enttäuscht. Petrus hat Jesus verraten. Petrus hat alles vermasselt. Nie wird er Jesus wieder in die Augen schauen können.
[Engele] Petrus -- sein Name bedeutet "der Fels" -- hat Jesus 3x verleugnet. Und das ist die offene Frage: Was macht Jesus mit einem, der versagt hat wie Petrus? Deshalb muss noch eine Geschichte am Schluss kommen, die ganz ähnlich ist wie die erste am Anfang. Wir haben sie als Schriftlesung gehört.
[Engele] Nun sind sie wieder daheim: Petrus und Jakobus, Thomas und Johannes und einige andere. Sie sind zu siebt. Sie haben den weiten Weg von Jerusalem an den See Genezareth hinter sich gebracht.
[Engele] Petrus sieht den See. Er sieht die Boote. Er erinnert sich: Ja, hier hat alles angefangen. Hier hat Jesus in seinem Boot gepredigt. Hier hat Jesus zu ihm gesagt: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen." Aber all das ist schon lange her. Viel ist seitdem geschehen. Viel hat Petrus mit Jesus und den anderen Jüngern zusammen erlebt. Und nun war in der letzten Woche in Jerusalem nicht nur das Passah-Fest. sondern Jesus wurde gekreuzigt. Mit dem Menschenfangen ist es nichts geworden. Deshalb sind nun alle wieder nach Hause gegangen, heim an den See. Vielleicht kann man sie dort wieder brauchen wie vorher.
[Fischer] „Ich will fischen gehen“,
[Engele] sagt Petrus. Die anderen horchen auf. Keiner fragt:
[Fischer] „Willst du etwa Menschen fangen?“
[Engele] Jeder weiß: Petrus will wieder dort anfangen, wo er aufgehört hat, als Jesus ihn von den Netzen weggerufen hat.
[Engele] Jeder kann noch seine Handgriffe gut. Jeder weiß noch, was er zu tun hat. Jeder tut, was er kann. Langsam lassen sie das Netz ins Wasser, Meter um Meter. Vorsichtig fahren sie einen großen Bogen. Dann ziehen sie das Netz herein, Stück um Stück. Aber es ist leer. Wieder versuchen sie es. Sie lassen das Netz langsam ins Wasser. Sie fahren den großen Bogen. Dann ziehen sie es heraus. Aber es ist vergeblich.
[Engele] Endlich kommt der Morgen herauf. Sie fahren zurück.
[Engele] Aber am Ufer steht Jesus. Petrus und Johannes und Jakobus und die anderen erkennen ihn nicht. Jesus steht schon da und wartet auf sie. Und dann sagt er:
[Fischer] „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“
[Engele] Sie antworten ihm:
[Fischer] „Nein, wir haben nichts. Alles, was wir heute Nacht versucht haben, war vergeblich.“
[Engele] Da sagt Jesus:
[Fischer] „Fahrt noch einmal hinaus. Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes ins Wasser. Dann werdet ihr etwas finden.“
[Engele] Und merkwürdig: Keiner fragt:,
[Fischer] „Wer bist du?“
[Engele] Keiner fragt:
[Fischer] „Warum sollen wir jetzt noch einmal hinaus?“
[Engele] Sie tun es einfach. Sie fahren hinaus. Sie werfen ihr Netz aus - auf der rechten Seite des Bootes, und sogleich spüren sie es: Das Netz wird voll! Es wird so voll, dass sie es nicht ins Schiff ziehen können vor der Menge der Fische. Da sagt ein Jünger zu Petrus:
[Fischer] „Merkst du es? Das ist der Herr, der uns noch einmal herausgeschickt hat.“
[Engele] Als sie nun aussteigen aus dem Boot, da sehen sie: Dort am Land brennt ein Feuer. Kohlen brennen dort. Auf den Kohlen rösten Fische und Brot. Und sie kommen und setzen sich. und noch einmal schießt es durch die Köpfe:
[Fischer] „Wer ist er, der uns hier einlädt? Wer ist er, der uns diesen Fischfang beschert hat? Kann es Jesus sein? Kann es sein, dass Jesus zu uns gekommen ist, zu uns an den See? Kann es sein, dass er zu uns gekommen ist, zu denen, die ihm davongelaufen sind? Hilft Jesus uns in unserem ganz gewöhnlichen Alltag?“
[Engele] Wie mulmig muss es Petrus in diesem Moment geworden sein. Kann er Jesus noch in die Augen schauen? Hat er nicht alles falsch gemacht? Alles zerstört? Sein Verrat liegt wie ein garstiger Graben, wie eine tiefe Schlucht zwischen ihnen und schneidet ihn ab von der Möglichkeit, jemals wieder Freund mit Jesus zu sein.
[Fischer] Und dann nimmt Jesus das Brot und zerbricht es und gibt es ihnen. Und er nimmt von den Fischen und teilt sie aus, so wie sie es gewohnt sind und wie sie das von ihm kennen. Jesus gibt den Jüngern zu essen. Er füllt ihnen die Hände. Und voller Staunen merken sie: Jesus war bei uns, auch in unserer Nacht.
[Engele] Sie sitzen am Kohlenfeuer. Petrus ist es nicht recht wohl in seiner Haut. Schlechte Erinnerungen kommen bei ihm hoch. Ja, einst am Lagerfeuer ist es so gekommen: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich in dieser Nacht dreimal verleugnen. Jetzt ist Jesus wieder da. Was wird er sagen? Die anderen freuen sich riesig: Er ist auferstanden! Aber Petrus? Wieso darf Petrus überhaupt mit Jesus zusammen essen?
[Engele] Als Jesus Petrus nach dem Essen allein beiseite nimmt, ahnt er schon, was jetzt kommt. Das war's. Jetzt ist es aus. Er weiß, dass ich versagt habe. Jesus schaut Petrus ernst an. Tief in die Augen. Und dann fragt er ihn:
[Fischer] „Hast du mich lieb?“
[Engele] Zitternd antwortet Petrus:
[Fischer] „Du weißt alles, was gewesen ist. Du weißt auch, dass ich dich lieb habe.“
[Engele] Und Jesus sagt:
[Fischer] „Ja. Ich weiß es. Ich brauche dich als meinen Helfer. Ich brauche dich als Helfer für die anderen. Geh, weide meine Schafe.“
[Engele] Jesus kann jeden von uns gebrauchen. Mit Petrus feierte Jesus Abendmahl. Sogar Judas war da mit dabei. Menschen wie du und ich. Keiner wird ausgeschlossen. Keiner muss perfekt sein, der zum Abendmahl kommt. Er ist bei uns, auch wenn wir manchmal nicht weiterwissen. Und er wird bei uns sein, bei manchem neuen Anfang.
[Fischer] Nimm das mit, für alle deine Wege: Wo wir versagen, wo in die Irre gehen, wo wir schuldig werden, wo uns tiefe Gräben von Gott und anderen trennen, da... baut Gott eine Brücke. Er selbst kommt uns entgegen, von seiner Seite. Er streckt seine Arme zu uns aus. Er nimmt uns an. Er vergibt uns. Er schenkt uns neues Leben. Jesus selbst ist diese Brücke. In ihm zeigt Gott, dass er uns mehr liebt als unser Versagen je Gräben graben kann. Gott liebt uns so sehr, dass nichts uns von ihm trennen kann.
[Engele] Er lädt uns immer wieder ein. Er stärkt uns. Er isst mit uns. Brot und Wein. Wo wir Abendmahl feiern, da wissen wir: Gott ist nicht auf der "anderen Seite". Er ist nicht weit weg. Er ist bei uns. Und da wird er immer sein.
[Fischer] Wie Eure Wege wohl nun verlaufen? Auch uns Pfarrern fällt es schon schwer, euch ziehen zu lassen, nach dieser intensiven Zeit miteinander. Aber auch als Konfirmierte bleibt ihr ja Teil der Gemeinde. Ihr seid eingeladen, dabei zu sein -- Gott zu begegnen und euch selbst mit einzubringen. Möglichkeiten dazu gibt es ganz viele: Ein paar davon findet ihr hinten auf eurem Liedblatt. Wir hoffen jedenfalls, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzen.
[Fischer] Ziehen lassen können wir Euch, weil wir darauf vertrauen, dass Gott Euch ist. Ganz sicher. Immer. Amen.
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