Predigt
Gott näher kommen und dem Teufel fliehen
[Engele] Ihr habt auf spielerische Weise Pfeile auf den Teufel geworfen. Ideen gesammelt, wie ihr den Teufel bekämpfen könnt. Luther hat ein Leben lang mit dem Teufel gerungen. [Fischer…

Gottesdienste und Anlässe
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31.10.2021
· 18:30 Uhr
· Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche
Gottesdienst
[Engele] Ihr habt auf spielerische Weise Pfeile auf den Teufel geworfen. Ideen gesammelt, wie ihr den Teufel bekämpfen könnt. Luther hat ein Leben lang mit dem Teufel gerungen.
[Fischer] „Sei verdammt, krieche wieder in die Hölle. Ich spüre deinen fauligen Atem.“
[Engele ] Ganz leibhaftig stellte sich Luther den Teufel vor. Aufgewachsen war er in der Lebenswirklichkeit des Mittelalters, die voll war von Geistern und dunklen Mächten, einer Welt, in der der Teufel buchstäblich überall zu finden war und in allem steckte, was von Bedeutung war. Luther hört ihn des Nachts, wenn er im Bett liegt. Er hört ihn am Tag, wenn er an seinem Schreibtisch arbeitet. Für Luther war klar:
[Fischer] Der Teufel “schießt schreckliche Gedanken ins Herz, [Gedanken der] Verzweiflung.”
[Engele ] Er ist überzeugt:
[Fischer] „Alle List des Teufels wird geübt, uns vom Wort [Gottes] wegzureißen.”
[Engele] Man erzählt sich, Luther habe einmal ein Tintenfass nach dem Teufel geworfen habe. Dieses Tintenfass, das er vermutlich so nie geworfen hat, ist dennoch ein einprägsames Merkzeichen, um diesen Luther zu verstehen. Denn Luther hat ja – bildlich ausgedrückt – den Teufel tatsächlich mit Tinte vertrieben. Luther hat ja selber gestaunt, welche Kraft das geschriebene Wort hat. Er hat mit seinen Schriften wie den 95 Thesen die Welt verändert. Oder mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Das Wort Gottes gibt ihm Halt. Für Luther sind Gott und der Teufel gleichermaßen wirklich. Und niemand anders ist der Kampfplatz, auf dem sich beide um die Vorherrschaft streiten, als eben der Mensch. Einen Tribünenplatz, von dem aus wir als unbeteiligt Zuschauende diesen Kampf verfolgen könnten, gibt es nicht.
[Fischer ] „Man wird entweder von Gott geritten oder vom Teufel“,
[Engele ] sagt er einmal. Und
[Fischer] „wo immer Gott uns ein Haus baut, setzt der Teufel gleich eines nebendran.“
[Engele] Und wenn er gerade kein Tintenfass zur Hand hat, oder weil Käthe auf allzu viele Tintenflecken an der Wand wohl mit ungehaltenen Reden reagiert hätte, schreibt er – und das wissen wir verbürgt von ihm selber - mit Kreide
[Fischer] “baptizatus sum“
[Engele] auf seinen Schreibtisch, zu Deutsch:
[Fischer] Ich bin getauft.
[Engele] Luther hat auch nach seiner Entdeckung des barmherzigen Gottes immer wieder an Gott gezweifelt, an seiner Gnade. Diese Gedanken bedrängten ihn immer wieder, ob er Gott mit seinem Leben genügen konnte.
[] In diesen Momenten, da waren sie ihm Hilfe, diese drei Worte:
[Fischer] „Ich bin getauft.“
[Engele ] Weil sie bekräftigten: Kein anderer als Gott selbst hat mir das Leben gegeben und will, dass ich lebe. Er gibt mir das Recht, so zu sein wie ich bin. Er mag mich trotz meiner Schwächen.
[] Das „Ja“ Gottes bleibt für immer. Wir leben mit Gott und wir bleiben auch im Tod und darüber hinaus mit ihm verbunden.
[Fischer] „Ich bin getauft“.
[Engele ] An den Teufel als Person glauben wir nicht mehr. Die meisten jedenfalls. Aber dass es auch heute teuflische Situationen gibt, das wird sicherlich keiner bestreiten. Diese teuflischen Situationen sind Momente, in denen wir zweifeln an uns und unserem Wert. Da mobbt einen jemand. Da putzt einen jemand herunter, weil man einen Fehler gemacht hat.
[] Es sind Momente, in denen wir meinen, wir hätten kein Recht auf dieser Welt zu sein. Viele ältere Menschen, die sich dadurch definiert haben, dass sie für andere da waren, fühlen sich nutzlos, wenn sie nicht mehr aktiv sein können.
[] Oder es sind Momente, wo wir das Gefühl haben, alles und jeder hätte sich gegen uns verschworen, wir wären allein, hätten keinen, der uns zuhört, in den Arm nimmt, der uns mag. Eine Beziehung ist zu Bruch gegangen, ein Lebensplan zerbrochen, ein Traum zerplatzt sind.
[] Es scheint nichts zu geben, was uns da heraus holen könnte. Es sind Momente, in denen wir, warum auch immer, alles in Frage stellen: uns selbst, unser Leben. Können wir in diesen teuflischen Momenten auch, wie Martin Luther, sagen oder schreiben:
[Fischer] „Ich bin getauft.“?
[Engele ] Spielerisch mit Kugeln habt ihr versucht, möglichst nahe ans Kreuz zu kommen.
[] Staupitz, Luthers Beichtvater nimmt seine Halskette mit dem Kreuz und übergibt sie Luther: Wenn es Dir so dreckig geht, dann schau auf Jesus Christus. Vertrau dich Jesus Christus an, und du wirst Gottes Liebe erfahren. Sage zu ihm:
[Fischer] Ich bin dein. Erlöse mich.
[Engele ] Die dunklen, manchmal beängstigenden Mächte lassen sich mit einer anderen Macht überwinden – mit dem Glauben an Gott. Luther hat sich an Gott festgehalten und damit die Angst überwunden. Immer wieder.
[Fischer] „Und wenn der Teufel euch eure Sünden ins Gesicht wirft, und erklärt, dass ihr Tod und Hölle verdient hättet, sagt ihm dies: ich gebe zu, dass ich Tod und Hölle verdient habe, na wenn schon! Weil ich einen kenne, der für mich gebüßt und alle Schuld für mich auf sich genommen hat. Sein Name ist Jesus Christus, Sohn Gottes, und wo er ist, o ja, dort will auch ich sein.“
[Engele] Ich bin dein. Erlöse mich. Amen.
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