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Muttertrost (kurz)

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Die Predigt "Muttertrost (kurz)" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

Jesaja 66,10-14

In aller Kürze

Was für eine Zeit, in der wir leben! Die Realität hat uns förmlich überrollt: Bilder zum Heulen! Zum Glück weiß jedes Kind, was man braucht, wenn einem zum Heulen zumute ist. Und Gott weiß es auch. Kurzform der Predigt vom 22.03. für den Telefongottesdienst.

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Was für eine Zeit, in der wir leben! Die Realität hat uns förmlich überrollt: Bilder zum Heulen!

Was man tut, wenn einem zum Heulen zumute ist, weiß jedes Kind. Jedes. Alle rennen dann zu Mama. Sie ist der eine Mensch, bei dem man sich dann trösten lässt. Das Sinnbild der Geborgenheit schlechthin: Eine Mutter, die ihr Kind in den Arm nimmt.

Übrigens wissen das nicht nur Kinder. Diesen Instinkt verlernt man nicht. Von Soldaten auf dem Schlachtfeld und von Menschen in Extremsituationen ist uns bekannt, dass sie alle nach ihrer Mama rufen. Das ist ja etwas, was uns verbindet: Kein Mensch war uns jemals so nahe wie die Mutter, die uns neun Monate lang in ihrem Leib getragen hat. Ein Urort der Sehnsucht. Mama.

Der Gott, von dem die Propheten reden, ist uns da sehr viel fremder. Wir sehen ihn nicht. Wir können ihn uns nicht vorstellen. Wir können ihn schon gar nicht verstehen.

Nur in Bildern können wir überhaupt von Gott sprechen. Das ist es auch, was hier geschieht.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, sagt Gott.

Wie eine Mutter! Von allen Gottesbildern ist mir das fast das liebste. Es nimmt eine unserer tiefsten Sehnsüchte auf. Gott begegnet uns hier nicht als der völlig andere, abgehobene, erhabenen, unfassbare Herrscher, Schöpfer, Richter, als Herr der Heerscharen, als starker Held, riesig und unnahbar. Wie eine Mutter, sagt er. Wohlbekannt. Ich kenne ihren Geruch. Ich weiß, wie es sich anfühlt in ihren Armen. Ich kenne ihren Herzschlag und weiß: Da geht es mir gut.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, sagt Gott.

Viele von uns dürfen in diesen Tagen ihre Mutter nicht einmal besuchen. Andere haben sie schon längst verloren und würden alles dafür geben, noch einmal Zeit mit ihr verbringen zu dürfen. Andere sind selber Mutter und würden jetzt gerne ihre Kinder in den Arm nehmen.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, sagt Gott. Ich will euch eine Mutter sein. Bei mir seid ihr geborgen.

Trost. Friede. Hoffnung.

Genau das, was wir heute brauchen.

Auf dem Weg nach Jerusalem

Nur einmal noch begegnet mir der unfassbare Gott in einem Bild, das mehr seine Nähe und seine Liebe und seine Zuwendung zu mir ausdrückt als dieses hier. Nur ein einziges Mal.

Da ist es nicht mehr nur ein Bild. Da wird Gott selber sichtbar. In Jesus kommt er uns noch näher als je zuvor. Er wird nämlich selbst Mensch. Er geht die Wege, die wir hier gehen. Da sind wir wieder in der Passionszeit: Hinauf nach Jerusalem. Den Weg des Leidens. Den Weg des Sterbens. Für uns.

Und plötzlich wird die Passion ganz aktuell -- mit Lätare mittendrin.

In Christus geht Gott nämlich auch nach Idlib. Und nach Lesbos. Nach Bergamo, und, ja, auch nach Albstadt. Er geht auf unseren Wegen. Er nimmt das alles mit. Er nimmt das alles auf sich. Und keine Quarantäne, keine Ausgangssperre und kein Virus, können ihn davon abhalten. Da kommt uns Gott ganz nahe.

Und am Ende? Ist Ostern! Das weiß man noch nicht, wenn man mittendrin steckt. Aber heute ist Lätare und Lätare soll die Hoffnung wecken. Die Hoffnung auf Auferstehung. Die Hoffnung auf neues Leben. Die Hoffnung auf  Frieden, und Überfluß und Leben, auch auf unseren Straßen.

Wie eine Mutter weiß, was ihre Kinder brauchen, weiß Gott, was uns heute fehlt. Er gibt uns seinen Trost. Er nimmt uns in seinen Arm. Er sagt, "Es wird Ostern werden." und "Euer Herz wird sich freuen." Er tröstet uns, wie eine Mutter ihr Kind.

Amen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle “Erlöserkirche” in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer