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Die Predigt "Lichtblick" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

2. Petrus 1, 16-19

In aller Kürze

Es gibt so viele trübe Tage. Ich wünsche mir den Advent zurück, mit seinen Lichtern und seiner Hoffnung. Zum Glück gibt es ein Licht der Hoffnung, das mir stärker als alles andere leuchtet und meinen Glauben umso fester macht.

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Es gibt schon ganz schön trübe Tage, habe ich mir gedacht, als ich mich gestern auf den Weg zu einer Beerdigung machte. Kalt war es. Geregnet hat es. Furchtbar ungemütlich war es draußen und ich dachte mir, das passt eigentlich ganz gut zu diesem Anlass. Es war eine dieser Beerdigungen, die gleich doppelt traurig sind: Nicht nur ist ein lieber Mensch plötzlich nicht mehr da, sondern das, was es von seinem Leben zu erzählen gibt, ist eigentlich genauso niederschlagend: Fehlschläge, Rückzug, Einsamkeit -- eine bittere Lebensgeschichte, die ganz dringend irgendwo einen Funken Hoffnung vermissen lässt.

Es gibt ganz schön trübe Tage, habe ich mir im letzten Jahr öfters gedacht, selbst wenn draußen manchmal strahlend die Sonne schien. Wenn ich als einer der wenigen durch leere Straßen ging. Wenn ich Menschen nur mit großem Abstand begegnen konnte, vorbeifuhr an Häusern, deren Bewohner lange nicht mehr draußen waren. Wenn kleine Zeichen der Menschlichkeit und Wärme -- ein Lächeln, ein warmer Händedruck, eine freundliche Umarmung -- hinter Masken versteckt wurden oder ganz ausbleiben mussten. Das sind schon ganz schön trübe Zeiten. Trüb und kalt und dunkel.

Wie gut hat mir persönlich da der Advent getan. Dessen Bildhaftigkeit ist ja schon in "normalen" Jahren stark und eindrücklich: In der dunkelsten Jahreszeit reden wir vom kommenden Licht. Wir lesen die alten Geschichten und die alten Texte vom Warten auf dem Heiland und wir zünden Kerzen an -- eine nach der anderen. Die Texte werden intensiver und die Kerzen immer heller und am Ende strahlt uns allen der Christbaum mit seinen vielen Lichtern entgegen, während wir mit frohem Herzen und aus voller Kehle singen: "Christ ist erschienen, uns zu versühnen."

Wir setzen uns in Gedanken mit den Hirten aufs Feld von Betlehem, in eine weitere dunkle und kalte Nacht und lassen uns das Herz füllen mit dem hellen Schein der Engel, die "große Freude verkündigen, die allem Volk widerfahren ist": Denn "der Heiland ist geboren, welcher ist Christus der Herr." Wir stimmen mit ein in das Lob der himmlischen Heerscharen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens." Und der Schwung dieses Lobs trägt uns hinüber in ein neues Jahr.

Ach, das hat gut getan -- auch dieses Mal. Gerade dieses Mal, auch wenn so vieles anders war.

Licht in der Nacht. Hoffnung im Dunkel. Sonne an trüben Tagen.

Wie gut das tut!

Damit das alles nicht so schnell in Vergessenheit gerät, leuchtet in den ersten Tagen des neuen Jahres das Epiphaniasfest: Erscheinung des Herrn. Gott zeigt sich uns in Jesus Christus, Mensch geworden und doch in seiner ganzen Herrlichkeit.

Licht in der Nacht. Hoffnung im Dunkel. Sonne an trüben Tagen.

Wie gut das tut!

Nun ist selbst nach der optimistischsten Zählung die Weihnachtszeit spätestens vorgestern, am 2. Februar, endgültig zu Ende gegangen. Die letzten Christbäume sind abgebaut. Bei uns war am Sonntag der "letzte Sonntag nach Epiphanias." Von der Verklärung Jesu Christi hat das Evangelium erzählt. Noch einmal zeigt sich Christus in seiner ganzen Herrlichkeit, er, der zu uns gekommene Sohn Gottes. Dann fällt sozusagen der Vorhang.

Was bleibt, sind die trüben Tage. Not und Leid und Elend haben ja kein Ende genommen. Der Friede auf Erden, den die Engel an Weihnachten verkünden, scheint so weit weg. Wir schauen uns weiter durch Masken an, die Ausgangssperre wurde verlängert und der Impfstoff ist knapp. Wieder einmal sind Hoffnungen aufgeschoben werden.

Die Tage sind trüb, auch wenn heute draußen schönes Wetter ist.

Ich wünsche mir den Advent zurück.

Aus dem 2. Petrusbrief, aus dem ersten Kapitel:

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.
Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1, 16-19)

Schon die Menschen der frühen Kirche kannten die trüben Tage der aufgeschobenen Hoffnungen. Die Begeisterung des Ostermorgens war irgendwann nur noch eine Erinnerung. Die sichere Erwartung, dass Christus nach seiner Himmelfahrt jeden Augenblick zurückkommen würde, um endgültig das Reich Gottes in seiner ganzen Fülle zu den Menschen zu bringen, hatte sich nicht erfüllt. Generationen waren seither vergangen. Trübe Tage waren geblieben.

Lohnt sich das alles noch? Kann man sich an diesem Glauben noch festhalten? Sind wir am Ende gar einem Märchen aufgesessen?

Nein, schreibt der Verfasser dieses Briefes. Wir wissen es doch. Gott war doch sichtbar bei uns und hat sich uns gezeigt in Jesus, seinem Sohn. Die Engel von Betlehem haben doch nicht nur salbungsvolle Worte ins Leere hineingesprochen. Sie wiesen die Hirten auf ein konkretes Geschehen hin: "Ihr werdet finden das Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen." Gott ist angekommen. Das Kind ist da und das Kind wird groß, wird zum Mann und dieser Jesus von Nazaret bringt den Menschen Gott auf nie dagewesene Weise nahe. Das ist doch sichtbares Zeichen, dass Gott seine Versprechen hält, sagt der Briefschreiber. Und wem es nicht reicht, der schaue zurück auf den Berg der Verklärung, wo Gott den Aposteln noch mehr Einblick gewährt in das, was er hier tut. "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." [D]iese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

Was Propheten lange vorhergesagt hatten, worauf Generationen vor uns hofften, was so lange erwartet wurde -- dieser ganze, lange Advent -- hat sich erfüllt, vor den Augen von Zeugen in Jesus Christus.

Umso fester...

Das ist uns doch ein Zeichen.

Umso fester...

Das macht uns doch gewiß!

Umso fester...

Das stärkt uns doch den Glauben.

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Und auf einmal ist es wieder Advent.

Ja, weil es immer noch dunkel ist. Ja, weil die trüben Tage noch kein Ende genommen haben. Ja, weil es immer noch so vieles gibt, auf das wir Warten.

Es ist wieder Advent.

Wieder haben wir das Versprechen Gottes, dass Christus kommen wird und dass es Licht gibt am Ende des dunklen Tals.

Advent. Er kommt. Die Hoffnung, vielleicht noch klein wie eine einzige, flackernde Kerze.

Aber eines ist anders, diesmal. Eines unterscheidet diese lange Zeit des Wartens, der vielen trüben Tage, von der langen Zeit des Wartens, die es schon einmal gab:

Weihnachten.

Da war doch was.

Christ ist erschienen, uns zu versühnen.

Er ist ja bereits gekommen und hat gezeigt, dass Gott Wort hält.
Er war ja bereits da und hat uns Gottes Herrlichkeit gezeigt.
Er hat ja bereits bestätigt, dass Gott Licht ins tiefste Dunkel bringt.

Wir wissen, dass die Hoffnung nicht vergebens ist!

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Noch ist es dunkel.
Noch sind die Tage trüb.

Mal klein, mal flackern leuchtet ein Licht an diesem dunklen Ort. Das Wort der Hoffnung:
Der Tag bricht an und der Morgenstern wird aufgehen in unseren Herzen.

Möge das unseren Glauben und unsere Hoffnung umso fester machen -- gerade an den trüben Tagen.

Er kommt, der Morgenstern.

Amen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer