Aufnahme der Predigt (14:47)
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Die Predigt "Keine Fernbeziehung" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

Matthäus 6,5-15

In aller Kürze

Auch in dieser seltsamen Zeit: Gott ist mir nahe. Mit ihm kann ich immer reden. Große Worte braucht es dafür nicht. Selbst da, wo ich ganz alleine bin, ist er mir nahe und hört mich.

Fragen zur Vertiefung

Zu dieser Predigt hat Christoph eine Reihe von Fragen hinterlegt, die in der Kleingruppe zur Vertiefung weiter besprochen werden können:

  1. Was tut am Reden mit anderen so gut?
  2. Worüber würdest du gerne mit Gott reden?
  3. "Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung.", schreiben Luther und Brenz im Katechismus. Was ist dir daran besonders wichtig?
  4. Antwortet Gott eigentlich, wenn du mit ihm redest? Wenn ja, wie?

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Lina, liebe Marie, liebe Sarah, lieber Jano, lieber Michael, lieber Mike, lieber Nick, liebe Eva, lieber Luka, lieber Maximilian, lieber Nico, liebe Svenja, liebe Anne, lieber Mika, liebe Greta,

Eigentlich sollte das heute euer großer Tag werden. Konfirmation wollten wir miteinander feiern. Ganz groß, mit einem tollen Thema, mit guter Musik und eigener Deko. Mit vielen lieben Gästen aus nah und fern, zum Teil von weither extra angereist, um mit euch zu feiern. Lange habt ihr euch darauf vorbereitet und euch darauf gefreut. Fast ein Jahr lang haben wir uns jede Woche getroffen, miteinander über Glauben und Leben geredet, vieles erlebt und viel Spaß gehabt. Wir sind als Gruppe ein Stück näher zusammengewachsen. Und alles das sollte heute zum Höhepunkt kommen -- hier in der Pauluskirche.

Und jetzt ist alles anders. Kein großes Fest. Keine Gäste. Nur wenige von uns sitzen überhaupt in der Kirche und andere schauen über das Internet aus der Ferne zu. So hätte sich das wohl wirklich niemand von uns vorgestellt.

Eigentlich sollten wir jetzt feiern. Aber danach ist uns gerade gar nicht zumute.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
liebe Gemeinde hier in der Kirche oder mit uns verbunden durch das Internet,

Auch wenn ich heute besonders die Konfis anspreche: Ihr alle könnt das mitempfinden. Wir sitzen ja alle im selben Boot: Die letzten Wochen haben uns viel abverlangt. Fast alles ist ausgefallen. Ganz vieles wurde in Frage gestellt. Dinge, die wir immer für selbstverständlich gehalten haben, gelten plötzlich nicht mehr. Wir sitzen zu Hause. Wir halten Abstand voneinander. Wir verstecken uns hinter Masken. Wir haben viele Fragen und manche Ängste, über die Zukunft, über unsere Gesundheit und Sicherheit, über das, wie es weitergeht.

"Rogate" ist der Sonntag heute. Einer der Sonntage der österlichen Freudenzeit.

Eigentlich sollten wir jetzt feiern. Aber danach ist uns gerade gar nicht zumute.

Mitten hinein in in diese seltsame Stimmung wollen wir heute Morgen die Worte Jesu dringen lassen. Vielleicht hat er uns ja etwas zu sagen, was dieser komischen Situation irgendwie noch einen Sinn verleihen kann.

"Rogate" heißt dieser Sonntag. "Betet."

Darum geht es auch bei ihm.

"So sollt ihr beten", sagt er uns. Und wenn wir weiter hören, dann erklingt das Gebet, das Christen auf der ganzen Welt seit langem verbindet. Das "Vater unser", das wir auch in jedem Gottesdienst miteinander beten.

Ihr, liebe Konfis, habt euch dazu Gedanken gemacht, was dieses Gebet bedeutet. Heute sollt ihr zu Wort kommen.

An diese Stelle gehört ein Video, das die Konfis miteinander aufgenommen haben. Wo das Video (z.B. im Podcast) nicht sichtbar erscheint, sei auf die Aufzeichnung des Gottesdienstes auf Youtube verwiesen, in der eine bearbeitete Version des Videos enthalten ist.

"Wenn du ... betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.", sagt Jesus. Da musste uns in den letzten Wochen eigentlich niemand hinschicken. Die eigenen vier Wände -- das haben viele von uns in diesen Tagen mehr Zeit verbracht als je zuvor. Wir kennen uns jetzt mit Videokonferenzen aus und Dienste wie Netflix machen riesige Umsätze. Aber nach draußen kommen wir nicht mehr viel. Die Begegnungen mit anderen Menschen, die nicht im selben Haus wohnen, sind rar geworden. Viele -- man glaubt es kaum -- freuen sich inzwischen sogar auf die Schule, die für euch bald endlich wieder beginnen soll!

Viele der Dinge, die wir so schätzen am Kontakt mit anderen, an guten Freunden, sind weggefallen. Einander treffen, miteinander abhängen, Spaß haben, Dinge miteinander erleben. Gemeinsame Interessen und Hobbies pflegen. Draußen sitzen, ein Eis schlecken und die Seele baumeln lassen. Miteinander reden -- manchmal belanglos, manchmal auch aus den tiefsten Bewegungen unserer Seele.

Das fehlt uns.

Klar gibt es WhatsApp, Instagram und Snapchat und alle diese Dinge. Aber die persönliche Begegnung können sie nicht ersetzen.

Ich weiß das. 2002, nach dem Ende meines fünfjährigen Studiums in Belgien bin ich nach Deutschland zurück gekommen. Meine damalige Verlobte, Rebecca, studierte noch weiter in Belgien. Ein Jahr lang haben wir eine Fernbeziehung geführt. Lange vor Messenger-Apps und dergleichen. Telefonieren ins Ausland war teuer. Wir haben trotzdem telefoniert, meist spät abends, wenn es weniger kostete. Aber telefonieren ersetzt keine Begegnung. Ich sag's euch: Was haben wir uns gezofft, damals am Telefon! Aus damaliger Sicht grenzt es an ein Wunder, dass wir vor einigen Tagen unseren 17. Hochzeitstag gefeiert haben.

"Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.", sagt Jesus.

Und das ist eine gute Nachricht. Egal was passiert -- kein Virus und kein Social Distancing, keine Wände und keine verschlossene Tür können mich von Gott trennen. Auch ganz allein in meinem Zimmer kann ich immer mit ihm reden. Er ist immer da. Er hört mich immer. Er ist immer nah, immer greifbar, immer an meiner Seite.

Mit Gott gibt es keine Fernbeziehung!

Liebe Konfis,

So gerne würde ich euch erzählen, dass es nie wieder in eurem Leben eine Situation wie jetzt gerade geben wird. Leider ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es anders kommen wird. Vermutlich werdet ihr noch manches mal enttäuscht werden, noch auf manches verzichten müssen, euch noch manches Mal einsam fühlen und noch manches Mal Fragen und Ängste bezüglich eurer Zukunft haben.

Vielleicht -- das ist meine Hoffnung -- erinnert ihr euch dann an diesen Sonntag Rogate im Jahr 2020. Auch wenn es nicht der Tag eurer Konfirmation war. Vielleicht fällt euch dann wieder ein, dass man mit Gott immer und überall und in jeder Lage reden kann. Und über alles. Vielleicht erinnert ihr euch dann an euer Video mit diesem einfachen Gebet, das man kaum in eigene Worte fassen kann, ohne es länger zu machen. Und ihr merkt dann, dass es keine großen Worte und Künste und keine besondere Frömmigkeit oder Heiligkeit oder sonst irgendeine besondere Qualität braucht, um mit Gott zu reden.

Selbst wenn euch vielleicht einmal ganz die Worte fehlen -- vielleicht fällt euch dann wieder ein, was ihr in Konfi gelernt habt. "Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott, in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung", heißt es bei Luther und Brenz im Katechismus. Beten heißt: Ich kann mit Gott reden, selbst wenn es nur tief in meinem Herzen ist. Das ist mit das Intimste, was unser Glaube zu bieten hat. Erinnert euch daran!

"Rogate." Betet!

Vielleicht denkt ihr dann an das Video, das wir für heute gemeinsam vorbereitet haben. Manche von euch wollten darauf nicht gesehen werden. Das ist in Ordnung, das ist euer gutes Recht. Andere haben sich vorher gestyled, um im Video auch gut auszusehen. Und ihr habt alle gut ausgesehen!

Wenn das einmal nicht so ist, dann denkt an diesen Moment und denkt daran, dass es das bei Gott alles nicht braucht. Zu ihm kann ich immer so kommen, wie ich bin. Ungeschminkt und ungestyled, verschlafen, verstruppelt, mit verheulten Augen und dunklen Rändern drunter nach einer schlaflosen Nacht. Bei Gott darf das alles sein. Mit ihm darf ich immer reden. Denkt daran!

"Rogate." Betet!

Dann macht ihr den Mund auf -- oder zumindest das Herz -- und lasst heraussprudeln, was euch bewegt. Und Gott hört euch.

Wie es gut tut, einem alten Freund endlich wieder zu begegnen und ihn in die Arme zu schließen, so werdet ihr sehen, wie gut es dann tut, Gott an seiner Seite zu haben.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
Dass wir das heute hören dürfen, ist Teil der großen Freudenbotschaft von Ostern, vom lebendigen, auferstandenen Herrn an unserer Seite. Teil der österlichen Freudenzeit.
Und wenn wir das heute mit nach Hause nehmen und dann erleben, dort und überall, dann ist dieser Tag heute doch noch ein Fest geworden.

Und das kann dann an jedem anderen Tag genauso gehen, wenn wir mit dem Gott, der uns nahe ist, reden.

Amen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer