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Freudenbotschaft

Grund zum Jubel in Tailfingen

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Die Predigt "Freudenbotschaft" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

Jesaja 52,7-10

In aller Kürze

Wo Friede fehlt und Zerbrochenheit herrscht, da freut man sich über einen, der kommt und alles gut macht -- "heil" eben. Dieses Muster zieht sich durch von den Propheten bis heute. Nur einmal, da bekommt die Hoffnungsbotschaft plötzlich noch eine ganz andere, neue Wendung. Kurzversion meiner Predigt für den Telefongottesdienst

I

Da kommt einer!

Hast du es nicht gehört?

"Friede", japst er -- noch völlig außer Atem. "Friede! Wir haben Frieden. Der Krieg ist vorbei. Die Besatzung ist vorbei. Die Unterdrückung hat ein Ende. Friede!"

Heil! Das Land wird heil! Im umfassenden Sinn. Was verletzt ist, wird gesund. Was zerstört ist, wiederaufgebaut. Was am Boden liegt, aufgerichtet. Was krumm ist, gerade. Wo es dunkel ist, kehrt Licht ein. Wo Böses herrscht, wird alles Gut. Alles. Gut!

Neugierige stecken ihren Kopf aus den Fenstern. Schaulustige laufen zusammen. Alle reden durcheinander, bis einer dem Boten Gehör verschafft. Es wird still. Alle hören gebannt zu. Aber nicht für lange. Jubelrufe unterbrechen die Botschaft. Es werden immer mehr. Da beginnen sie zu reden. Da zieht man eilig die Nachbarn herbei, die es noch nicht gehört haben. Irgendwo spielt plötzlich Musik. Da tanzen sie schon. Einer bringt Wein. Sie stoßen an. Ein spontanes Fest. Was sollte man denn auch sonst tun, bei so einer Nachricht? Nach all den Jahren?

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II

Für den Propheten, der unseren heutigen Text schreibt, ist das alles noch eine Zukunftsvision. Den unbekannten Autor, auf den der zweite Teil des Buchs zurückgeht, das wir heute als "Jesaja" kennen, nennen die Theologen "Deuterojesaja." Gelebt hat er wohl im 6. Jahrhundert vor Christus, in jener spannenden Zeit, als Judäa, das Südreich Israels, aufgehört hat zu existieren und die Bevölkerung sich zum größten Teil weit weg von der Heimat in der Verbannung befindet. Im Exil. In Babylon. Weit weg von Zuhause. "Zion", der Name des Bergs im Bergland von Juda steht für die ganze Stadt, die auf und um ihn herum gebaut ist: Jerusalem, einst Hauptstadt des Südreichs. Heimat. Hoffnungsort. Sehnsuchtsort.

Deuterojesaja, den wir jetzt einfach auch so nennen, weil wir keinen anderen Namen kennen, ist ein Hoffnungsprophet. Einer derer, die auch im Exil den Glauben an Jahwe, den Gott Israels, nicht verloren haben.

Deuterojesaja hat Hoffnung. So plastisch ist diese Hoffnung, dass er es schon fast greifbar vor sich sieht, wie das sein wird, wenn Gott kommt und alles heil macht. Wenn Jerusalem, Zion, die Heimat -- so weit weg und doch immer vor seinen Augen -- die Nachricht bekommt, dass jetzt Frieden ist. Dass alles gut wird. Heil. Und Gott als König über alles herrscht. Für Deuterojesaja ist das so real, dass er schon die Schritte des Boten vor dem Stadttor hören kann...

"Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!"

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III

Hoffnung gibt Trost. Aber Hoffnung ist meistens auch mit Warten verbunden. Manchmal mit langem Warten. Viel länger, als wir das gerne hätten.

Siebzig Jahre hat es gedauert, bis Israels Exil in Babylon sein Ende finden. Siebzig bange Jahre mit Warten, Hoffen, Bangen, Zittern, Zweifeln, Zagen, ... bis schließlich die Hoffnung siegt und es endlich gute Nachrichten gibt in Jerusalem, in Israel und vor allem dort, bei den Gefangenen von Babylon.

Der Weg in die Heimat ist offen. Gott hat sie nicht vergessen!

Freudenboten auf Zion.

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IV

Jahrhunderte später -- diese kalte, unwirtliche Nacht, die nicht einmal ein Zuhause bietet für ein junges Pärchen weit weg von daheim, deren erstes Kind zur Welt kommt. Plötzlich ist da wieder einer, der von Hoffnung zu reden beginnt und von Friede und Freude und von dem, der alles gut macht -- alles "heil":

"Siehe, ich verkündige euch große Freude,...", sagt dieser strahlende Bote Gottes. "... Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."

Darf man das eigentlich, diesen alten Text des namenlosen Deuterojesaja nehmen und einfach auf Weihnachten beziehen, jahrhunderte später und im Neuen Testament? Als Christen kommen wir nicht umhin, in der Botschaft des Engels in dieser heiligen Nacht ein Muster zu entdecken, dass sich durchzieht bei denen, die darauf vertrauen, dass Gott seine Menschen nicht vergessen hat. Ein Hoffnungsmuster, das darauf wartet, sich danach sehnt, es im Glauben geradezu vorwegnimmt, dass irgendwann Friede kommen wird und alles gut wird -- "heil" eben -- und es Grund gibt zu grenzenloser Freude. Das finden wir in den alten Propheten, bei Deuterojesaja und Jesaja vor ihm und bei vielen anderen und hier wieder, in der Botschaft des Engels.

Noch ein lieblicher Freudensbote.

Nur, dass es diesmal anders ist. Diesmal heißt es nicht: Hofft, wartet, glaubt... und irgendwann wird das alles geschehen. Diesmal spricht der Freudenbote in der Gegenwart.

Hier. Heute. Jetzt. Bei euch. In Bethlehem, der Stadt Davids, ist euch heute einer geboren, der die Erfüllung all der langen Hoffnungsträume ist, sagt der Engel.

Ein lieblicher Freudenbote.

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V

Ist das so? Ist wirklich alles gut geworden? Ist nicht die Nacht immernoch kalt geblieben, damals in Bethlehem, und noch viele andere Nächte und Tage seither? Beklagen wir nicht hier und heute noch, 2.000 Jahre später, dass Friede oft nur ein Traum bleibt und dass so viel Leid und Dunkelheit herrscht auf dieser Welt. Und das alles gut sei, alles "heil", das wird doch wohl keiner ernsthaft behaupten wollen, jetzt am Ende des Jahres 2020?

Moment mal: Darf man das, einfach, so weiterhüpfen, von Deuterojesaja und den Hirtenfeldern in Bethlehem, hierher zu uns, nach Tailfingen? Ja, man darf, weil wir als Christen ein Muster erkennen, das sich durchzieht: Ein Muster, von Menschen, die Trost brauchen in Dunkelheit und Leid und Un-Heil, egal ob in Babylon oder Bethlehem oder bei Balingen im 21. Jahrhundert. Und ein Muster, von Menschen, die Hoffnung haben, dass es einen Gott gibt, den das alles nicht kalt lässt. Der kommt, und Frieden schenkt, Grund zur Freude und Heil. Als Christen glauben wir, dass diese Nacht von Bethlehem damals wirklich etwas Wesentliches verändert hat: In dem kleinen Jesus dort in der Krippe zeigt uns Gott, dass er bereit ist, selbst hineinzukommen in den Unfrieden und die Zerbrochenheit, in Leid und Dunkelheit dieser Welt. Und weil er selbst kommt, finden Menschen Frieden. Weil er kommt, in diesem Jesus, wird Zerbrochenes "heil". Weil er selbst kommt, gibt es Grund zur Freude.

Weil dieses Muster sich durchzieht, braucht Tailfingen heute Freudensboten. Menschen mit "lieblichen Füßen" und einer noch lieblicheren Botschaft: Menschen, die Frieden bringen, Gutes predigen, Heil verkündigen und zu Tailfingen sagen: "Gott ist König." Der Engel draußen auf dem Banner vor der Pauluskirche macht den Anfang: "Fürchtet euch nicht. Jesus ist da." Und wir könnten die sein, die es weitertragen. Die, die zueinander sagen: "Fürchtet euch nicht." Die, die die Freude über das Evangelium von Gott, der uns nahekommt, an andere weitergeben -- egal, ob persönlich, am Telefon oder mit einem kleinen Zeichen der Zuwendung.

Psst! Da kommt einer! Was der wohl will?

Wir könnten die sein mit den lieblichen Füßen. Dann könnte Freude einziehen in Tailfingen -- und das könnten wir alle ganz gut gebrauchen in diesen Tagen.

Amen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer