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Facetime

Von dem Gott, der sich uns zuwendet

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Die Predigt "Facetime" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

Numeri 6,22-27

In aller Kürze

Eigentlich unverständlich -- ein Gott, der uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist begegnet. Ganz unterschiedlich wendet sich Gott uns zu -- und das ist gerade das Unglaubliche: Er wendet sich uns zu! [Kurzversion der Predigt für den Telefongottesdienst]

Noch einmal: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13, 13)

"Wir geben uns nicht die Hand. Wir begrüßen uns mit einem Lächeln.", steht auf einem Schild bei meinem Optiker. Das stammt wohl noch vom Anfang der Coronazeit. Heute erscheint es eher ironisch. Mag ja sein, dass mich alle anlächeln. Ich sehe es aber nicht. Ich sehe nur Augen und Masken.

Vielleicht gab es noch nie eine Zeit, in der uns so sehr neu bewusst wurde, wie wichtig der Kontakt von Angesicht zu Angesicht für uns Menschen ist. In den letzten Wochen haben Videodienste im Internet den Umsatz ihres Lebens gemacht. Es ist einfach so viel besser, wenn man sich nicht nur hören, sondern auch sehen kann. "Facetime", heißt einer dieser Dienste. "Gesichtszeit", heißt das wörtlich übersetzt. Zeit, sich ins Gesicht zu schauen. Zeit, sich einander zu zeigen. Einander zu sehen. Den anderen wahrzunehmen. Ganz persönlich. Das brauchen wir nämlich.

Liebe Schwester, lieber Bruder in Jesus Christus,

Heute feiern wir Trinitatis. Der große, unbegreifliche, unergründliche Gott wendet sich uns zu. Eigentlich könnten wir gar nichts über ihn wissen. Weil er aber beschlossen hat, sich uns zu offenbaren -- "offen-baren", sich offen zu legen -- deshalb wird er für uns erfahrbar.

Der eine Gott begegnet uns als Vater, als Schöpfer, als Ursprung aller Dinge, als Erhalter unseres Lebens.

In Jesus Christus kommt er uns so weit entgegen, wie es nur geht: Er wird selbst Mensch. Mit Menschen kann ich etwas anfangen. Ihn kann man sehen, beobachten, hören, erfahren. Von ihm wissen wir mehr als alles andere, wie Gott ist. In ihm sehen wir den Vater, der uns verborgen bleibt. In ihm sehen wir Gott, der aus Liebe zu uns bereit ist, selbst die schlimmsten und dunkelsten Wege unseres Lebens mit uns zu gehen. Ja mehr noch, sogar über das Leben hinaus: In sehen wir Gottes Sieg über Dunkelheit, Leiden und Tod -- und haben die Hoffnung auf Erlösung und neues Leben durch seine Auferstehung.

Und jetzt,  wo Jesus Christus zur Rechten Gottes, des Vaters, sitzt, da begegnet uns Gott ganz neu durch seinen Heiligen Geist, den er mitten in unser Leben hinein sendet. Durch ihn wohnt Christus in uns und gibt uns Glauben, Zuversicht und Hoffnung. Durch ihn schafft Gott in uns das neue Leben, das er uns in Christus schenkt. Durch ihn wird Gott unser ständiger Begleiter. In uns: Das heißt, näher geht es gar nicht mehr.

Lange Zeit bevor der heutige Predigttext geschrieben wurde, stand ein Mann in der Wüste vor einem brennenden Dornbusch. "Mose, zieh deine Schuhe aus", hörte er Gottes Stimme. Dieser Ort ist heiliger Boden. Wieder wendet sich Gott einem Menschen zu. Ganz persönlich. Gott stellt sich vor, mit Namen: "Ich bin Jahwe, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs", sagt er.

"Jahwe", ein Name. Gott wird persönlich.

"Jahwe", eine Botschaft. "Ich bin für euch da." So heißt Gott. Sein Name ist Programm. Er ist für seine Menschen da.

Facetime am brennenden Busch.

Facetime in der Wüste

"So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne", sagt derselbe Gott zum selben Mose viele Jahre später. Inzwischen ist Israel aus Ägypten befreit. Gott hat einen Bund mit ihnen geschlossen: Ihr gehört zu mir. Ihr seid mein Volk. Ich bin für euch da.

Die Priester sind ein sichtbares Zeichen dafür. Im Namen Gottes segnen sie das Volk.

Jahwe segne dich und behüte dich.
Jahwe lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Jahwe erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Jahwe. Jahwe. Jahwe.

Ich bin für euch da.

Der, der für dich da ist, segne dich und behüte dich.
Der, der für dich da ist, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der, der für dich da ist, erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Jahwe. Er ist nämlich wirklich für uns da.

Wenn er auf das Volk schaut, dann wird sein Heil gegenwärtig. Das ist es nämlich, was segnen heißt. Da fließt die ganze Güte Gottes zu seinen Menschen:
Sicherheit. Er behüte dich.
Gnade. Auch dann, wenn du es gar nicht verdient hast.
Frieden. Schalom, auf hebräisch. Das ist mehr, als wir mit einem Wort übersetzen können. Ein Zustand ungetrübten Wohlergehens.
Segen eben.

Facetime mit mir

Das geschieht, wenn Gott sich seinen Menschen zuwendet.

Facetime mit Gott eben.
Da leuchtet sein Angesicht. Gott schaut mich an.
Ohne Maske.
Von Angesicht zu Angesicht.

Nicht, dass das selbstverständlich wäre. Niemand kann Gott sehen, heißt es sonst immer. Und die, die es versucht haben, mussten mit dem Leben bezahlen.

Dann wendet sich Gott seinen Menschen zu. Er schaut sie an. Direkt ins Gesicht. Und sein Gesicht, das trägt ein Lächeln.

Ich bin für euch da.

Segen eben.

Das ist es, was wir heute an Trinitatis feiern: Das wir Gesehene sind. Und Gesegnete. Facetime mit Gott.

Israel hat er das durch die Priester zugesprochen. Und nimmt er durch Jesus Christus mit hinein in seinen Bund. Und durch seinen Heiligen Geist wohnt er mitten drin in uns.

Der Sehende. Der Segnende.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist...

Amen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle “Erlöserkirche” in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer