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Ausgang, Eingang, bis in Ewigkeit

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Die Predigt "Ausgang, Eingang, bis in Ewigkeit" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Predigttext

Psalm 121,7-8

In aller Kürze

98 Jahre. Ein behütetes Leben. Ausgang und Eingang in Gottes Hand. Und das ist noch nicht zu Ende!

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Mit einem Bibelvers möchte ich beginnen, wenn ich heute vom Leben Reinhold Mautes erzähle -- einem Bibelvers, den wir gemeinsam ausgewählt haben für diesen heutigen Gottesdienst. Er steht ganz am Ende des 121. Psalms, den wir vor kurzem miteinander gesprochen haben:

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 121,7-8)

Eine Überschrift, sozusagen über diesen Lebenslauf: Ausgang und Eingang, in Gottes Hand, von nun an bis in Ewigkeit.

Eingang

Am 2. Dezember 1921 wurde Reinhold Maute in Meßstetten geboren. Er war das 7. Kind von Albert und Katharina Maute. Zusammen mit seinen 4 Brüdern und 2 Schwestern wuchs er in Meßstetten auf, ging dort zur Schule und begann eine Lehre zum Automechaniker bei der Firma Haug.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Dann kam der Krieg. Reinhold wurde sofort eingezogen, musste unter anderem nach Afrika. Mit einer gefährlichen Hepatitis kam er zurück in ein Kursanatorium nach Bayern, von dort, kaum genesen, wieder an die Front nach Russland. 2 Brüder hat er in diesen Jahren verloren. Er selbst kam 1945 heil nach Hause zurück.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Dort setzte er zunächst seine Arbeit bei der Firma Haug fort, wechselte dann zu Gebrüder Conzelmann und schließlich zu Ernst Schöller, wo er zunächst als Fahrer und später als Leiter des gesamten Fuhrparks tätig war. Fahren, das war sein Leben und oft erzählte er, wie abenteuerlich es war, mit einem voll beladenen LKW über die glatten und verschneiten Straßen des Schwarzwalds zu fahren. Und auch, wie schön es war, sehr früh morgens loszufahren und den Tag kommen zu sehen.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

1947 lernte er bei der Arbeit Käthe Herter kennen. Am 28. November desselben Jahres haben Sie dann geheiratet. Sie sind nach Tailfingen gezogen, zunächst ins Haus der Sdchwiegereltern, dann in die Hechinger Straße und schließlich in die Königsberger Str., wo sie sich gemeinsam ein Haus gebaut hatten, für sich und die Schwiegereltern. Dort pflegten sie den Schwiegervater bis zu dessen Tod.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Voller Energie war er immer, Reinhold Maute, und verlangte vor allem sich selbst sehr viel ab. In den 1970er Jahren errichtete er noch ein zweites Heim in der Danziger Straße, in dem sie dann gemeinsam auch die Schwiegermutter bis zuletzt pflegten.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Arbeit, Fleiß und Ordnung hatten stets einen hohen Stellenwert in seinem Leben. Um das schöne Haus kümmerte er sich bis ins hohe Alter mit Hingabe. Ganz besonders wichtig war ihm sein Garten, für den er geradezu gelebt hat, und für den er auch gerne lieber zuhause blieb, als irgendwo anders hin in den Urlaub zu fahren.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Einst selbst ein begeisterter Wintersportler, verfolgte er unter anderem dieses Hobby noch bis zur letzten Saison viele Stunden vor dem Fernseher lebhaft mit, was ihn von seinen stets zunehmenden Schmerzen ablenkte.

Wichtig waren ihm auch familiäre Zusammenkünfte, auf die er sich immer freute. So wurden regelmäßig wiederkehrende Geburtstag und Festtage gemeinsam gefeiert.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Reinhold wurde zunehmend schwächer. Nachdem sich schon lange eine starke Müdigkeit bemerkbar machte, stellte sich heraus, dass sein Herz sehr schwach war. So wurde er noch in der vorletzten Woche vor seinem Tod ins Krankenhaus nach Ebingen verlegt. Dort wollte er aber nicht bleiben. Trotz täglich zunehmender Schmerzen wünschte er sich, noch einmal nach Hause zu kommen. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Wohl begleitet, gepflegt und betreut, ist er am vergangenen Samstag zu Hause friedlich eingeschlafen. Er wurde 98 Jahre alt.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Ausgang

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 121,7-8)

Auch nach 98 Jahren fällt beim Erzählen eines Lebenslaufs auf, wie einfach es ist, die Äußerlichkeiten zu beschreiben: beruflicher Werdegang, Familienverhältnisse, wichtige Eckdaten. Und wie viel schwiergier es ist, auf die wesentlichen Fragen eine Antwort zu geben: War das jetzt ein behütetes Leben? Gar eine "behütete Seele"?

Ich will mir kein Urteil darüber erlauben, wie Reinhold selbst auf diese Frage geantwortet hätte. Ich weiß es nicht.

Ich kann mich auch nicht in Spekulationen darüber ergehen, wo man in diesen 98 Jahren vielleicht auch bewusst die behütende Hand Gottes wahrnehmen konnte. War es Bewahrung, dass Reinhold aus dem Afrikakrieg mit Hepatitis heim musste? War es Gottes Hand, die dafür sorgte, dass er 1945 unverletzt zurück kam? Und wie oft waren Gottes Engel um Reinholds LKW, wenn er früh auf vereisten Schwarzwaldstraßen unterwegs war? Ich weiß es nicht. Das sind Dinge, die passen nicht in einen tabellarischen Lebenslauf.

Ist das dann alles nur Spekulation? Ein Schönreden des Lebens gar, jetzt, wo es zu Ende ist?

Nein, dass Ausgang und Eingang in Gottes Hand stehen, da bin ich mir sicher. Als Christ verlasse ich mich dabei auf die Zusage Gottes, auf mehr, als nur auf ein paar einzelne Psalmworte. Im Zentrum steht dabei immer wieder das, was schon ganz am Anfang des Lebens geschah: In der Taufe hat Gott Reinhold Maute seine Annahme zugesprochen: "Fürchte dich nicht! Siehe, ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen! Du bist mein!" Und: "Siehe, ich bin bei dir alle Tage, bis an der Welt Ende."

Ob und wo Reinhold die Einlösung dieses göttlichen Versprechens selbst bemerkt hat, das weiß ich nicht. Sicher weiß ich aber eines: Gott steht zu seinem Wort.

Wer daran Zweifel hegen könnte, der braucht nämlich nur darauf schauen, wie sich dieser Gott sonst in seiner Beziehung zu seinen Menschen verhält. Am deutlichsten sieht man das da, wo Gott uns ganz nahe kommt: In Jesus Christus. In wenigen Wochen werden wir wieder Weihnachten feiern und darüber staunen, was Gott da tut: Der große Schöpfer des Himmels und der Erde beugt sich herab und wird selbst Mensch. Einer von uns. Er kommt uns ganz nahe. Er zeigt, dass er Anteil nimmt an allem, was unser Leben ausmacht. Er trägt es selbst mit in Jesus Christus, mit allen Herausforderungen, mit Leid und Schmerz und Enttäuschungen -- mit allem, was dazugehört. Bis hin zum Tod. Selbst den nimmt er auf sich. Er ist sich nicht zu schade. Aus Liebe geht er auch diesen Weg der Menschen mit.

Jesus Christus ist Gottes Bestätigung dessen, was er uns verspricht: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 121,7-8)

Wer Christus anschaut und in ihm Gottes liebende Zuwendung zu uns Menschen entdeckt, dem dämmert dann wahrscheinlich auch irgendwann, wie viel weiter diese Zusage Gottes geht.

Ausgang und Eingang -- Anfang und Ende -- das ganze Leben von der Geburt bis zum letzten Atemzug.

Und dann: "von nun an bis in Ewigkeit."

Wer sieht, wie Gott uns in Jesus Christus begegegnet, der bleibt nicht dabei stehen, dass der am Kreuz den Tod auf sich nimmt. Der merkt, dass nach dem Kreuz, nach Karfreitag und dem dunklen traurigen Karsamstag, der Ostermorgen naht. Das strahlende Licht der Hoffnung: Christus ist wahrhaftig auferstanden! Zentrum unseres Glaubens, Kern unserer Hoffnung. Christus hat den Tod überwunden. Gott hat ihn zu neuem Leben auferweckt. "Tod, wo ist dein Stachel?", fragt der Apostel Paulus. "Tod, wo ist dein Sieg?"

Von all dem sieht man wenig, wenn wir heute an einem Grab stehen werden. Für uns sieht das alles sehr endgültig aus. Eingang und Ausgang. Und nun das Ende. Und wir bleiben zurück, mit schwerem Herzen und einem Loch mittendrin, das der Abschied von einem lieben Menschen reißt.

Im Blick auf Christus, sehen wir darüber hinaus. Da erklingt neu das Versprechen der Taufe, dass Gott uns mit hineinnimmt in Leben und Sterben, aber eben auch in die Auferstehung Jesu Christi. Da ist der Ausgang plötzlich nicht mehr das Ende, sondern nur der Übergang in ein neues Leben, wenn Christus an seinem Tag wiederkommt und an den Gräbern steht und die Seinen zu sich ruft.

Auch im Sterben gibt Gott Reinhold Maute nicht aus seiner Hand. Ausgang und Eingang, bis hin in alle Ewigkeit, liegen bei ihm.

Das ist die Hoffnung, die uns Christen trägt. Die uns auch heute trösten kann.

Denn auch unser Ausgang und Eingang, unser Kommen und Gehen, unser Leben und selbst unser Sterben, liegen bei ihm. Da sind diese traurigen Momente nicht ausgeklammert. Und da gibt es tröstende Hoffnung, die weit über das hinausgeht, was wir heute überblicken können.

Möge das heute unser Halt sein, ein Segen für unsere traurigen Herzen:

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 121,7-8)

Amen.

 

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer